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SOK AKTUELL
Informationsdienst der Serbischen Orthodoxen Diözese
für Mitteleuropa
15. März 2010

«Bischofskonferenzen demonstrieren die Einheit der Orthodoxie»
Interview mit Bischof Konstantin,
Generalsekretär der Orthodoxen
Bischofskonferenz der Schweiz
Text?







Bischof Konstantin von Mitteleuropa
(HILDESHEIM-HIMMELSTHÜR) In den vergangenen Wochen wurden in Deutschland und der Schweiz Bischofskonferenzen der Orthodoxen Kirche gegründet: Zusammenschlüsse aller kanonischen orthodoxen Bischöfe in diesen Ländern. Diese Gründungen waren zuvor auf der vierten Vorkonziliaren Panorthodoxen Konferenz, die 2009 in Chambésy in der Schweiz stattgefunden hatte, von hohen Vertretern aller Orthodoxen Ortskirchen beschlossen worden. Die Gründung der Orthodoxen Bischofskonferenz Deutschlands fand am 27. Februar in Nürnberg statt, während ihr Pendant in der Schweiz am 4. März in Chambésy gegründet wurde. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Bischof Konstantin (Djokic), dem serbischen orthodoxen Bischof von Mitteleuropa und nunmehr auch Generalsekretär der Orthodoxen Bischofskonferenz der Schweiz. Im Gespräch mit unserem Redakteur Tihomir Popovic spricht der Oberhirte der orthodoxen Serben in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowohl über die theologischen Hintergründe als auch über die konkrete Rolle und den modus operandi der neuen Bischofskonferenzen.
Herr Bischof, können Sie uns etwas zum Hintergrund und den Zielen der Gründungen der Orthodoxen Bischofskonferenzen in Deutschland und der Schweiz sagen?
Bischof Konstantin: Alle autokephalen (= völlig selbstständigen, Anm.d.Red.) Ortskirchen haben die Pflicht, den Glauben an Christus zu bekennen und ihre pastorale Sorge auch auf diejenigen Gläubigen auszudehnen, die außerhalb der Grenzen der eigenen Kirche und der anderen autokephalen orthodoxen Ortskirchen leben. Aus diesem Grund existieren die Pfarreien und Diözesen in der Diaspora, in denen Bischöfe und Priester ihren missionarischen und pastoralen Pflichten nachgehen. Die regionalen Bischofskonferenzen werden von Nutzen sein, wenn es darum geht, die Zusammenarbeit der orthodoxen Ortskirchen sowie die pastoralen, missionarischen, sozialen und Bildungstätigkeiten in der Diaspora zu fördern.
Wie wird diese Zusammenarbeit mit anderen orthodoxen Ortskirchen in Deutschland und der Schweiz aussehen? Was wird sich ändern und was nicht?
Bischof Konstantin: Die Anliegen, die von allgemeinem Interesse sind – etwa der orthodoxe Religionsunterricht an Schulen, die Kontakte zu anderen Kirchen und Konfessionen, die Beziehungen mit gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen sowie die Kontakte zu den Medien –, können auf die Bischofskonferenz übertragen werden, wobei jeder Bischof im Bereich der Pastoral, der Beziehungen mit Staatsorganen, der Zivilgesellschaft, den religiösen Organisationen und den Medien seiner eigenen Ortskirche gegenüber verantwortlich ist, wenn es um die Fragen geht, die das Leben seiner Gläubigen und das Vertreten der Standpunkte seiner eigenen Ortskirche angehen.
Was sind die Perspektiven für das Leben der Orthodoxen in Deutschland und der Schweiz nach der Gründung der Bischofskonferenzen?
Bischof Konstantin: Das Ziel der Bischofskonferenzen ist das Demonstrieren der Einheit der Orthodoxen Kirche in der Diaspora, die Förderung der Einheitlichkeit zwischen Kirchen in allen Bereichen der Pastoral, insbesondere bei Fragen der Seelsorge für die Kranken und die Haftinsassen, sowie die Förderung des liturgischen Lebens als Ganzes. In die Zuständigkeit der Bischofskonferenzen fällt auch die Feststellung des kanonischen Status der Kirchengemeinden, die kein klares Verhältnis zu den orthodoxen Ortskirchen haben, wie etwa die Kirchengemeinde der Hl. Dreifaltigkeit in Zürich, etc.
Die Hierarchie innerhalb der Bischofskonferenzen bestimmt, nach den Beschlüssen der vierten Vorkonziliaren Panorthodoxen Konferenz, die Ordnung der Dyptichen, obwohl manche der Ortskirchen, die an der Spitze dieser historischen Hierarchie der Orthodoxie stehen, in den betroffenen Ländern zahlenmäßig nicht so stark präsent sind. Denken Sie, dass das ein Problem darstellen könnte?
Bischof Konstantin: Jede Entscheidung der Bischofskonferenzen wird per Konsens getroffen. Die Bischofskonferenzen verfügen weder über administrative noch über kanonische Befugnisse und beschränken die Rechte der Diözesanbischöfe in der Diaspora nicht.
Wann wird die Zusammenarbeit der Orthodoxen auf der Ebene des Episkopats in Österreich im Einklang mit den Beschlüssen von Chambésy organisiert?
Bischof Konstantin: Wir erwarten, dass das bald passieren wird. Im Laufe des letzten und vorletzten Jahres gab es einige Treffen, bei denen Fragen besprochen wurden, die uns gemeinsam sind: die Frage des Religionsunterrichts an Schulen, die Seelsorge für die Kranken und in den JVA etc.
Wie ist die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) in den neuen Strukturen der Bischofskonferenzen auf dem Territorium der Diözese Mitteleuropa vertreten?
Bischof Konstantin: In der Orthodoxen Bischofskonferenz Deutschlands hat die SOK das Amt des Schatzmeisters bekommen: Dieses Amt wird Priester Dipl.-Theol. Radomir Kolundzic, Pfarrer in Berlin, innehaben. In der Schweiz wird die SOK den Generalsekretär stellen: Dieses Amt wird der zuständige Diözesanbischof mit Unterstützung von Erzpriester Dipl.-Theol. Ljubomir Kotarcic, Pfarrer in St. Gallen, bekleiden.
Das Interview mit S.E. Bischof Konstantin führte der Verantwortliche Redakteur des Informationsdienstes, Tihomir Popovic, Vizepräsident des Rates und Vorstandes der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa.
40 neue Gemeinden in 18 Jahren: Kurze Biographie von Bischof Konstantin
Bischof Konstantin (bürgerlicher Name Krsta Djokic) wurde am 26. September in Gornje Crnjelovo in Semberien (Nordostbosnien) geboren. Nach der Grundschule in seinem Geburtsort ging er auf das Priesterseminar des Hl. Arsenije von Srem (Syrmien) in Sremski Karlovci (Karlowitz, Nordserbien). Mönch wurde er am 28. März 1970. An der Orthodoxen theologischen Fakultät Belgrad diplomierte er im Jahre 1974. Der spätere Bischof Konstantin arbeitete in der Diözese Zvornik-Tuzla (Ostbosnien) zwischen 1970 und 1979 und verbrachte ein Jahr in Amerika, wo er Englisch lernte und sich weiterbildete. Von 1978 bis 1982 war der spätere Diözesanbischof der SOK in Mitteleuropa Lehrer am Priesterseminar der Hl. Drei Hierarchen im Kloster Krka (Diözese Dalmatien, Kroatien). Von 1982 bis zu seiner Wahl zum Bischof im Jahr 1991 war er Professor und Haupttutor am Priesterseminar des Hl. Arsenije von Srem in Sremski Karlovci. In den achtzehn Jahren seines Bischofsdienstes wurden in der Diözese Mitteleuropa etwa 40 neue Gemeinden eingerichtet. Mehrere größere Zentren der SOK bekamen neue Pfarreien, so dass heute in den meisten Großstädten auf dem Territorium der Diözese zwei oder sogar mehrere serbische orthodoxe Priester tätig sind. Bischof Konstantin förderte unermüdlich den Bau von neuen Kirchengebäuden, und hinterließ so eine sichtbare Spur der serbischen Orthodoxie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ebenfalls macht sich der Bischof für den Religionsunterricht an den Schulen stark und fördert die Studien der Kandidaten seiner Diözese an den orthodoxen theologischen Fakultäten in München, Belgrad und Foca (Bosnien). Während des Bürgerkrieges in Jugoslawien wurde in der Diözese Mitteleuropa eine Diakonie-Kommission gegründet, die den notleidenden Menschen im ehemaligen Jugoslawien zumindest ein wenig helfen konnte. Auch wurde eine Kommission Kirche und Gesellschaft gegründet, die für die Kontakte zu den nichtorthodoxen Kirchen, den staatlichen Institutionen und der Zivilgesellschaft zuständig ist. Die Kommission organisiert, zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) auch die so genannten „Serbien-Tagungen“, die abwechselnd in Serbien und in Deutschland stattfinden und die maßgeblich zur Verständigung zwischen den Kirchen aber auch zwischen den Gesellschaften Deutschlands und Serbiens beitragen. Gleichfalls wurde unter Bischof Konstantin der Informationsdienst SOK AKTUELL gegründet, der seit 2004 die in deutscher Sprache kaum verfügbaren Informationen in Bezug auf die serbische Orthodoxie allen interessierten Medien und Lesern zur Verfügung stellt. Seit März 2010 ist Bischof Konstantin auch Generalsekretär der Orthodoxen Bischofskonferenz der Schweiz.
SOK AKTUELL
Informationsdienst der Serbischen Orthodoxen Diözese für Mitteleuropa
Serbische Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa
Obere Dorfstraße 12
D-31137 Hildesheim-Himmelsthür
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